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Wednesday, 20. November 2019
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Belichtungszeit, Blende, Lichtwert, Brennweite? Klingt das wie Chinesisch für Dich? Dann bist Du hier genau richtig. In den folgenden Zeilen versuche ich einen kleinen Grundkurs der analogen Fotografie zu geben. Dabei ist das Ziel eher die Verständlichkeit für Laien als absolute Korrektheit. Der erfahrene Fotograf möge mir also die eine oder andre Unstimmigkeit verzeihen.

Bei der analogen Fotografie geht es im Wesentlichen darum, eine bestimmte Menge an Licht auf ein lichtempfindliches Medium treffen zu lassen. Um das ganze irgendwie steuern zu können kann ich also nur die Menge an Licht oder das Material beeinflussen. Beim Material habe ich die Wahl der Lichtempfindlichkeit des Filmes, den ich verwende. Bei der Lichtmenge läuft die Steuerung über Blende und Belichtungszeit.

Blende und Belichtungszeit

Stellen wir uns das Licht mal als das Wasser in einer Wasserleitung und den Film als ein normales Trinkglas vor. Unsere Kamera ist dann der Wasserhahn. Ziel soll es sein, das Glas vollständig zu füllen. Ich kann nun entweder den Hahn nur wenig aufdrehen und muss entsprechend lange warten bis das Glas voll ist, oder ich dreh den Hahn voll auf und brauche entsprechend weniger Zeit. Ich kann die Befüllung des Glases also über die Größe der Öffnung im Wasserhahn und die Zeit die der Hahn geöffnet ist steuern. Wenn ich das Glas immer gleich voll haben will, sind diese beiden Steuerungsmöglichkeiten also indirekt proportional. Je größer die Öffnung desto kleiner die Zeit , je kleiner die Öffnung desto größer die Zeit. Soweit sollte das nicht schwer zu verstehen sein. Was hat das nun mit einer richtigen Kamera zu tun?
Bei einer richtigen Kamera ist die Größe der Öffnung die Blende und die Zeit die ich warten muss die Belichtungszeit. Die Menge an Licht ist, genau wie die Menge an Wasser in dem Glas, am Ende immer die gleiche. Etwas verwirrend ist hier, das das Wort “Blende” sowohl den einen Wert als auch die mechanische Konstruktion als solche bezeichnet.

Die Blende (der Wert) wird bei einer Kamera immer als das Verhältnis von Brennweite des Objektives und der schmalsten Stelle, durch die das Licht auf seinem Weg zum Film hindurch muss, angegeben. Diese schmalste Stelle ist im Allgemeinen die Blende (die mechanische Konstruktion) im Objektiv. Eine Blende (der Wert) von 2 bedeutet also, das die Öffnung der Blende (die mechanische Konstruktion) genau halb so groß ist wie die Brennweite des Objektives. Die “Größe” der Öffnung ist dabei die Fläche, nicht der Durchmesser! Diese seltsame Berechnung garantiert, dass bei einer festen Blende von z.B. 4 die Menge an Licht die auf den Film trifft bei jedem Objektiv immer gleich ist.

Die Belichtungszeit ist die Dauer in der Licht auf den Film auftrifft. Um das steuern zu können, gibt es in Kameras einen Verschluss der nur genau für die Dauer der Belichtung geöffnet wird. Daher ist auch die Bezeichnung “Verschlusszeit” für die Belichtungszeit üblich.

Blende und Belichtungszeit sind bei Kameras immer mit festen Werten angegeben und können meist nur in festen Schritten geändert werden. Obwohl moderne Spiegelreflexkameras mittlerweile auch Zwischenstufen bei Blende und Belichtungszeit verwenden können, sind diese Werte üblich:

  • Belichtungszeit: 1/1000s 1/500s 1/250s 1/125s 1/60s 1/30s 1/15s 1/8s 1/4s 1/2s 1s 2s 4s 8s
  • Blende: f1 f1.4 f2 f2.8 f4 f5.6 f8 f11 f16 f22 f32

Eine Veränderung von Blende oder Belichtungszeit (nicht beides gleichzeitig!) um einen Wert noch oben oder unten bewirkt eine Verdopplung bzw. Halbierung der Menge an Licht, die auf den Film trifft. Bei einer Blende von 4 und einer Belichtungszeit von 1/125s trifft also genau soviel Licht auf den Film wie bei einer Blende von 5.6 und einer Belichtungszeit von 1/125s oder bei Blende 2.8 und 1/500s.

Blende-Zeit-Diagramm

Eine verwirrende Tatsache ist hierbei, dass eine Blende von 4 kleiner ist als eine Blende von 2, obwohl man aus den Zahlen zunächst das Gegenteil erwarten würde. Aber wie gesagt beschreibt die Zahl das Verhältnis von Brennweite zu kleinster Öffnung und müsste somit eigentlich 1/4 und 1/2 heißen.

Filmempfindlichkeiten

Wenn Blende und Belichtungszeit nicht mehr ausreichen, um ein Unter- bzw. Überbelichten des Filmes zu verhindern, bleibt nur noch eine Möglichkeit. Einen Film mit einer anderen Lichtempfindlichkeit verwenden.

Fast alle Filme gibt es in mindestens 4 verschiedenen Empfindlichkeitsstufen. ISO 100, 200, 400 und 800. Darüber hinaus kann man in guten Fachgeschäften auch noch andere Empfindlichkeitsstufen bekommen, aber das ist nur für sehr seltene Fälle nötig. Ein Wechsel von einer Stufe auf die nächste verdoppelt bzw. halbiert die Empfindlichkeit des Filmes und somit die Menge an Licht, die für eine gut belichtete Aufnahme nötig ist. Während eine Überbelichtung fast nie zum Problem wird, kommt es relativ häufig vor, dass das Licht einfach nicht ausreicht um eine gute Aufnahme zu machen. In Diesem Fall hilft dann nur noch ein empfindlicherer Film. Leider erkauft man sich die Möglichkeit, auch bei wenig Licht noch ein Bild machen zu können, mit einer generell schlechteren Qualität des Bildes. Je lichtempfindlicher ein Film ist, desto größer werden die Kristalle die auf das Licht reagieren. Der Film verliert somit seine Fähigkeit, feine Details exakt abzubilden und wird zunehmend “krümeliger”. Der Fachmann nennt diese “Krümel” Körnung. Während man bei einem ISO 100 Film von einem guten Bild problemlos einen A4 Abzug machen kann, wird bei einem ISO 800 Film bei einem Abzug dieser Größe deutlich eine körnige Struktur im Bild zu erkennen sein, in der feine Details zu einer grießigen Masse verschwimmen. Bei Schwarz-Weiß-Filmen tritt dieser Effekt übrigens nicht so stark auf.

Ein paar Tips wann man welchen Film nehmen sollte findest Du bei Tips und Tricks.

Brennweite

Die Brennweite ist ein Begriff aus der Optik und gibt an, wie weit vom Mittelpunkt einer Linse oder eines Linsensystems entfernt der Punkt ist, an dem alle Lichtstrahlen die durch die Linse fallen auf einen Punkt gebündelt werden. Für das Grundverständnis der Fotografie reicht es jedoch aus zu wissen, dass die Brennweite eines Objektives den erfassbaren Bildwinkel bestimmt. Je größer die Brennweite, desto kleiner ist der Bildwinkel der mit einem Objektiv erfasst und auf dem Film abgebildet wird. Einfach ausgedrückt, je größer die Brennweite je höher die Vergrößerung eines Gegenstandes den man fotografiert.
Die Standardbrennweite bei normalen Kleinbildkameras beträgt 50mm und entspricht damit in etwa dem Blickwinkel des menschlichen Auges (ca. 45° - 55°). Eine kleinere Brennweite von z.B. 28mm vergrößert diesen Winkel, eine höhere Brennweite wie z.B. 300mm verkleinert den Winkel. Je kleiner also die Brennweite, desto mehr bekommt man auf ein Bild drauf, je größer desto weniger.

Schärfentiefe

Die meisten Kameras verfügen über Objektive bei denen durch Verschieben einer oder mehrerer Linsen der Bereich, der auf dem Bild scharf abgebildet wird, variiert werden kann. Diese Kameras können sich also auf ein bestimmtes Objekt fokussieren. Der Vorteil dieses Verfahrens ist, das man Objekte in fast jeder Entfernung von der Kamera scharf abbilden kann. Der Nachteil besteht darin, dass der Bereich vor und hinter diesem Objekt nicht immer scharf abgebildet wird.
Der Bereich vor und hinter einem Objekt der auf dem Foto noch scharf abgebildet wird, wird Schärfentiefe genannt (weil er die Tiefe des Raumes angibt der scharf abgebildet wird).
Die Schärfentiefe lässt sich mit Hilfe der Blende beeinflussen. Je kleiner die gewählte Blende ist, desto größer ist der Bereich der auf dem Foto scharf abgebildet wird. Die physikalischen Hintergründe dieser Eigenschaft kann der geneigte Leser in seinem Physikbuch (8. Klasse schätz ich mal) nachlesen.

Interessant an dieser Stelle ist die ewige Diskussion darüber, ob Schärfentiefe nun "Schärfentiefe" oder "Tiefenschärfe" genannt wird ...

Lichtwert

Der Begriff Lichtwert ist im Bezug auf ein Objektiv gebräuchlich und gibt an, wie das Verhältnis von Brennweite des Objektives zu schmalster Stelle des Objektives ist. Klingt kompliziert, ist auch so. Einfacher ausgedrückt - der Lichtwert eines Objektives ist die größtmögliche Blende des Objektives.

Der Lichtwert wird im allgemeinen als 1:Blende angegeben. Ein Wert von 1:4 bedeutet also, das Objektiv kann höchstens eine Blende von f4 bieten und lässt somit im besten Falle nur die Hälfte an Licht hindurch, wie ein Objektiv mit einem Wert von 1:2.
Wichtig wird der Lichtwert, wenn es darum geht bei wenig Licht noch aus der Hand fotografieren zu können oder wenn man auf schnelle Verschlusszeiten angewiesen ist.

 

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