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Thursday, 19. October 2017

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Mein Winterprojekt - Jawa 350 Typ 354 PDF Drucken E-Mail
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Beitragsinhalt
Mein Winterprojekt - Jawa 350 Typ 354
Rahmen ausbessern
Ersatzteile beschaffen
Black is beautiful - Lackieren
3D-Puzzlen - Zusammenbau I
3D-Puzzlen - Zusammenbau II
Die Kraft der zwei Kerzen - Motor regenerieren (Demontage)
Die Kraft der zwei Kerzen - Motor regenerieren (Montage)
Funkenmariechen
Lauf Jawa, lauf!
Warmfahren
Legalisieren
 

Teil 9: Lauf Jawa, lauf!

Motor komplett - Check
Benzin im Tank - Check
Batterie geladen - Check
Zündung geht - Check

Also raus mit dem Kickstarter, rein mit dem Zündschlüssel, reintreten und - fump, fump, fump, fump ... nix. Reintreten und - fump, fump, fump, fump ... nix. OK, das es einfach wird hat keiner behauptet. Also nochmal Kicken. Und nochmal. Und nochmal. Und nochmal ...

Etwa 10 Minuten später geh ich zu Plan B über. Anschieben. Die Karre flink 100 Meter den Hügel hochschieben, 2. Gang rein, Zündung ein und loooooos. Fump, Fump, Fump, Fump, Fump, Fump .... Na gut. Wenn man nach 25 Jahren nur 100 Meter schieben müsste wäre was faul. Also die Karre wieder zurück auf Start und loooooos. Weitere 3 Versuche später und langsam bei Puls 180 angekommen gebe ich es erstmal auf. Irgendwas scheint nicht zu stimmen. Also erstmal die Kerzen raus. Zu meiner Überraschung sind beide Kerzen pupstrocken. Es riecht nichtmal nach Benzin. Schon komisch denn nach gut 500 Meter Schieben mir verschiedensten Gasgriffstellungen sollte sich da mittlerweile etwas Sprit versammelt haben. Benzin kommt auf jeden Fall beim Vergaser an. Die letzte Pfütze beim Betätigen des Tupfers war Beweis genug. Also kommt der Sprit irgendwie nicht vom Vergaser in den Zylinder.

Der Veragser ist in wenigen Minuten komplett zerlegt. Alles wird nochmals gesichtet, gereinigt, durchgeblasen und geprüft. Alles im grünen Bereich. Also nochmal ankicken. Nach weiteren 30 Minuten gab es immer noch keine Zündung und die Kerzen sind immer noch trocken. Ich schieb die Jawa erstmal in die Garage zurück und geb das mit dem Anlassen erst mal auf. Da ich mir keinen Rat mehr weiß, wird das Jawa-Forum kontaktiert.

Am nächsten Tag und nach ein paar Tips und Internetseiten später liegt der Vergaser wieder auf der Werkbank. Dank eines enorm verzogenen Vergaserflansches zieht der Motor hier vermutlich ordentlich Nebenluft. Ich schleife den Flansch plan und setzte alles wieder zusammen. Leider ist es schon spät und der Startversuch wird um einen weiteren Tag verschoben. Am nächsten Tag gibts im Forum dann ein Kommentar, der mir die Nackenhaare aufstellt. Ob denn die Zündspulen den richtigen Zylindern zugeordnet seien. Nun ja, ich bin ja nicht total bescheuert. Zündspulen, Zündkabel und Zündstecker hängen an den richtigen Zündkerzen. Soweit kann man ja nun nix falsch machen. Nur leider hab ich nie geprüft, ob das andere Ende der Zündspule am richtigen Unterbrecher hängt.
Einen Check später ist klar: Dummheit muss einfach bestraft werden. Also die Kabel an der Lichtmaschine umklemmen, Zündung nochmal einstellen und auf zu einem neuen Versuch.

Nach 5 Minuten Kicken gibt die Jawa immer noch kein Töff von sich. Also wieder den Hügel rauf ...
Nach etwa 20 Metern gibts das erste zarte "Deng" zu hören und nach knappen 100 Metern macht es schon mehr oder weniger regelmäßig "Deng". Na also, da tut sich doch was. Wieder den Hügel hoch. Nach weiteren 2 Läufen ist es dann soweit. Die vereinzelten "Deng" verbünden sich zu einem, noch recht unregelmäßigen aber beständigen "Räng-deng-däng-de-räng-deng-däng". Ich zieh die Kupplung und halte an. Es qualmt und stinkt nach halb verbrannten Öl, aber der Motor läuft! Naja, 10 Sekunden lang. Dann stirbt er erstmal wieder ab. Egal, ich hab Blut geleckt. Hügel rauf und loooooooos.
Diesmal stirbt er nicht ab. Ich bin etwas übermütig und versuche im 1. Gang etwas zu fahren. Mit schleifender Kupplung und viel Mühe schaffe ich 20 Meter, dann stirbt der Motor wieder ab. OK, Last verträgt er also noch nicht. Egal, erstmal warmlaufen lassen.
Da der Tank im Moment nur provisorisch angeschraubt ist und die ganze Zeit rumwackelt zieh ich vorm nächsten Versuch die Schrauben alle fest. Also nochmal anschieben und dann, bei laufendem Motor, erstmal aufbocken.

Während der Motor langsam warm wird und auch etwas williger Gas annimmt riecht es pötzlich nach Sprit. Ich schau an der Karre runter und seh eine kleine Pfütze. Scheibenkleister, was denn jetzt los! Motor aus, Lappen her und erstmal das Benzin dass vom Tank über Motorblock und Rahmen rinnt aufsaugen. Doch es hört nicht auf zu tropfen. Na dass hat ja gerade noch gefehlt. Der Tank ist undicht geworden. Offensichtlich hat sich beim Festziehen der hinteren Schraube irgendwo was geöffnet, was bis dahin dicht war.

Da der Tank jetzt erstmal runter muss wird sich die erste Probefahrt also noch etwas hinziehen. Aber das ist mir jetzt erstmal egal. Wichtig ist: Sie läuft. Nach 25 Jahren Winterschlaf hab ich es tatsächlich geschafft aus einem Klumpen gammeligen Eisens wieder sowas wie ein funktionierendes Motorrad zu machen. Das Feierabend-Bier hab ich mir verdient Laughing

Ein paar Tage später hatte ich dann auch die Zeit, den Tank genauer zu untersuchen. Wie vermutet hat sich durch das Anziehen der Schrauben ein winzig kleiner Spalt an der "Naht" das Tanks geöffnet. Allerdings war die Behebung dieses Problems dann deutlich einfacher als erwartet. Mein Suzuki Händler kannte einen Gott am Schweißgerät der den Tank ratz fatz wieder dicht bekommen hat. Also stand der  ersten "Probefahrt" nichts mehr im Weg.

Nachdem der Tank wieder drauf und diverse andere Kleinigkeiten fertig gestellt waren ging es wieder los. Ankicken funktionierte leider immer noch nicht, also wieder schieben. Diesmal sprang die Jawa aber schon nach den ersten paar Metern an und knatterte sich dann warm.  Also rauf auf den Sitz, den ersten Gang rein und loooos. Naja, loooos war dann im Wesentlichen mit heulendem Motor und schleifender Kupplung ein paar Zentimeter ruckeln und dann war der Motor auch schon wieder aus. Mist, der Zieht irgendwo Falschluft. Also alle relvanten Stellen erstmal prüfen und die Schrauben nachziehen. Es war etwas überraschend dass sich nirgendwo eine undichte Stelle oder lockere Schraube fand, des Rätsels Lösung fand ich aber erst etwa 3 Anfahrversuche später.

Irgendwann hatte ich es geschafft mit schleifender Kupplung und viel Gas die Mühle wirklich zum Fahren zu bringen. Und während ich mich wie ein kleiner König darüber freute dass die Jawa endlich wirklich fuhr, wunderte ich mich noch, dass die im ersten Gang gute 60 Sachen machte. Und dann kam mir der Gedanke der ebenso offensichtlich wie bescheuert war. - Ich glaub das ist gar nicht der erste Gang!?

Bisher bin ich gut 20 verschiedene Zweiräder gefahren. Bei allen war der erste Gang unten und die anderen dann nach oben zu schalten. Ich bin im Traum nicht drauf gekommen eine Jawa erwischt zu haben, deren Schaltung andersrum war. Also anhalten, die Gänge einmal durchsortieren und diesmal wirklich im ersten Gang anfahren. Und oh Wunder - es ging problemlos. Fix nochmal alle Gänge durchgeschalten und dann musste die Jawa auch schon wieder in die Garage.

Und damit ist die Geschichte nun auch fast zu Ende erzählt. Was noch fehlt ist der hintere Kotflügel (muss noch lackiert werden) und dann geht es zur Zulassungsstelle. Was da dann so auf mich zukommen wird kannst Du dann hier nachlesen ...

Bilanz nach ca. 400 Stunden Arbeit:

  • Jawa bis auf die kleinste Schraube zerlegt, alle Teile gereinigt, gesichtet, vermessen, aufgearbeitet oder ausgetauscht.
  • Rahmen repariert, gestrahlt, grundiert und lackiert
  • alle Blechteile ausgebeult, gestrahlt, grundiert und lackiert
  • Jawa (bis auf das hintere Schutzblech) komplett wieder montiert
  • Elektrik komplett erneuert (Kabelbaum, Zündung, Lampen ...)
  • Motor Glasperlgestrahlt, neue Lager eingesetzt, neues Primärritzel und Primärkette eingebaut, neue Dichtungen verbaut, LiMa regeneriert
  • investiert: ca. 3000 Euro (inklusive Kleinteile, Lack, Schmiermittel und externe Arbeiten)



 
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Jawa 354 am 24.08.2012
Jawa 354 - 24.08.2012
 

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